Was geschieht, wenn das Laub in den Bäumen säuselt?
Ich erinnere mich: Als kleiner Junge, so etwa zehn Jahre alt, hatten wir hinter der Hütte in Südböhmen einen Wald, der Pavlovka hieß. Nach dem Dorf oder dem Ortsteil Pavlov, in dem unsere Hütte stand. Und dieser Wald säuselte.
Und ich hatte dort einen Ort, zu dem ich als Junge sehr gern ging. Es war ein Ort, zu dem niemand ging, nur ich. Immer ging es von der Hütte nach links den steilen Hang hinauf. Der Wald war ein Fichtenwald, also ein idealer Ort zum Sammeln von Maronen. Ihre braunen Köpfe lugten zu mir heraus, und ich ging jeden Tag auf neue Pilzbeute, und auf meiner Streunerunde fand ich immer den einen oder anderen Pilz. Dann hat Mama die neue Beute gleich eingemacht, und wir hatten so diese sauren Pilzköstlichkeiten 🙂
Dieser Ort in der Pavlovka war zauberhaft. Er lag über einer Schlucht, in der jedes Jahr ein Steinadler nistete, und ich ging hin, um ihm zuzuschauen, wie er irgendwo vom Felsen unter mir aufflog. Sein Nest habe ich nie gesehen, aber ich wusste von ihm, und er von mir. Immer wenn ich hinkam, setzte er sich auf den kahlen Felsen, flog nach einer Weile auf, rief, kreiste, um sich den Eindringling anzuschauen, und wenn er merkte, dass ich es war, setzte er sich wieder ruhig ins Nest.
Ich saß dort auf dem Felsen, ringsum nur Moos und fester Stein. Am Rand dieser Felsschlucht wuchsen Birken, sie säuselten im Wind, wiegten sich im Rhythmus des Windes und beruhigten mich so angenehm.
Dann, eines Tages, als ich mich auf dem Felsen niedergelassen hatte, geschah es. In einem Augenblick blieb die Zeit stehen, der Wind hörte auf zu wehen, die Bäume hörten auf sich zu wiegen, und das Laub an ihnen hörte auf zu säuseln. In einem Moment blieb alles stehen. Stille. Vor allem diese Stille ist es, an die ich mich bis heute, nach diesen fast 40 Jahren, erinnere. Es läuft mir richtig kalt den Rücken hinunter, und eine Welle des Verstehens geht durch mich. Huuuuu.
Stille. Vor allem diese Stille ist es, an die ich mich bis heute, nach diesen fast 40 Jahren, erinnere. Es läuft mir richtig kalt den Rücken hinunter, und eine Welle des Verstehens geht durch mich. Huuuuu.
Dieses Gefühl, dieser Zustand, in dem nicht einmal Vögel flogen, sich kein Grashalm rührte und die Bäume nicht säuselten, war wunderschön. Ich saß nur da mit offenem Mund und wollte mich nicht rühren, um nichts zu zerreißen, nichts zu zerstören. Ich erinnere mich heute nicht mehr, wie lange es dauerte. Vielleicht eine Minute, vielleicht fünf.
Aber ich weiß ganz sicher, dass es ein Augenblick war, der sich mir in den Kopf gegraben hat und an den ich bis heute unablässig denke. Etwas hat sich in diesem Moment verändert. Etwas ist geboren worden. Vielleicht ist in diese Welt irgendein bedeutender Waldwichtel oder eine Malenka gekommen.
Als dann nach einer Weile, die mir wie eine Ewigkeit vorkam, die Bäume wieder mit ihrem Laub zu säuseln begannen, war es, als löste sich etwas in der Luft, und alles war wie zuvor. Nur ich wusste, dass sich etwas verändert hatte. Wusste es noch jemand? Aber dass das Laub wieder säuselte, gab mir ein Gefühl von Sicherheit, von etwas Vertrautem und von Gewissheit. Ich bin einfach der Meinung: Wenn Sie das Laub auf seine beruhigende Weise säuseln hören, schauen Sie in ihre Kronen. Bei Birken sieht man das besonders schön. Ihre Blättchen drehen sich und flimmern wie goldene Plättchen und als sprächen sie zu dir. Es ist ein sehr beruhigendes Gefühl.
Schau in ihre Kronen, und vielleicht verstehst du, was sie dir sagen wollen. Sie wollen bei dir sein und sagen dir: Ruhe, alles ist in Ordnung. Du musst dich vor nichts fürchten. Und deshalb genieße dieses Gefühl so sehr du kannst, solange die Laubbäume Blättchen an den Zweigen haben. Und schütze die Bäume um dich herum, denn sie schützen dich auch. In der hektischen Welt von heute schenken und geben sie dir den Frieden, nach dem du dich sehnst.
Ruhe, alles ist in Ordnung. Du musst dich vor nichts fürchten.
Und deshalb säuseln die Bäume und ihr Laub.