Die Geschichte vom Waldweiher, oder: Das Wichtelbad mitten im Wald
Jeder von uns, der im Wald Pilze sucht, hat seine besonderen Stellen, an denen bestimmt der eine oder andere Steinpilz wächst. Auch unsere Familie hat so einen Wald im Lausitzer Gebirge, zwischen den Orten Kytlice und Krásné pole. Ein Mischwald, in dem Sie wohl alle Arten von Bäumen und Bewuchs finden.
Zwischen den Bäumen müssen Sie ständig bergauf und bergab gehen, überall liegen Stämme, die der Sturm umgeworfen hat. Am Ende vermodern sie dort, werden Teil des Humus und des Bodens, den junge Bäume brauchen. Pilze wachsen dort in verschiedenen Winkeln, unter Wurzeln, unter umgestürzten Bäumen. Und überall sind Quellen. Überall tritt Wasser aus, wie es im Lausitzer Gebirge eigentlich üblich ist. Und so kommt es, dass Sie vor allem nach Regen in diesen Wäldern verschiedene Waldweiher finden.
Und an einer solchen Stelle haben wir vor etwa zwei Jahren eine merkwürdige Naturerscheinung gefunden. Wir gehen so durch den Wald, schauen unter die Zweige und suchen Steinpilze. Überall rauschen, blubbern und treten Bäche aus der Erde. Und plötzlich sticht mir so eine seltsame Sache ins Auge. Mitten im Wald sehe ich eine Wanne. Nicht so eine, wie wir sie alle zu Hause haben, sondern eine Waldwanne. Mitten im Wald sehe ich eine rechteckige Form am Boden, voll durchsichtigen, dunklen, rostfarbenen Wassers. Ich schaue wie angewurzelt darauf und frage mich, wer das hier wohl ausgehoben hat, in so einer regelmäßigen Form.
Zuerst dachte ich, das hätten Wildschweine auf dem Gewissen, die im Boden nach gefallenen Bucheckern, Eicheln oder frischen Würzelchen suchen. Einfach etwas zum Knabbern, und dass es davon überall in den Wäldern wimmelt. Ich meine die Wildschweine. Aber dann wäre alles schön aufgewühlt, und vor allem sehe ich schon die Bache vor mir, der plötzlich ein Licht aufgeht und die sich sagt, „Heute grabe ich diese Grube im rechten Winkel aus, hmmm, grunze grunze, das wird besser, heute als Rechteck“. Also das wohl nicht.
Dann denke ich, da haben sich irgendwelche Pilzsammler Mühe gegeben: Als sie nichts finden konnten, haben sie diesen Weiher ausgehoben. Und wenn sie ein Kind dabei hatten, haben sie vielleicht aus Stöckchen, Sträuchern und Moos ein Bad davor gebaut. Nun, das wohl auch nicht. Und so habe ich nur eine Erklärung. Das ist eindeutig ein Wichtelbad, so etwas wie ein Schwimmbecken für Wichtel. Was sagen Sie dazu? Lassen Sie uns ein wenig in Gedanken albern, uns eine Waldgeschichte ausdenken, für einen Moment wieder Kinder sein.
Die Geschichte vom Waldweiher mit dem Zauberwasser
In jedem Wald lebt eine große Zahl verschiedener Waldwesen. Wir alle kennen sie. Rehe, Hirschkühe, Hirsche, Eulen, Eichelhäher, Igel, Füchse und andere. Meistens sehen wir sie nicht, weil sie uns Menschen fürchten und sich fernhalten. Aber wenn wir uns im Wald leise verhalten, können wir auch das erblicken, was uns verborgen bleiben soll. Vielleicht erblicken wir irgendein Zauberwesen. Glauben Sie das nicht? Na komm schon. Schalten Sie doch den Erwachsenen in sich aus. Werfen Sie die Gedanken an die Arbeit und all die Dinge aus dem Kopf, die Sie heute noch erledigen müssen. Haben wir? Dann versuchen wir es noch einmal.
„Hallo Frantík,“ begrüßt der Bukluk Niko den Wichtelfreund, der gerade Dienst an der neu erwachten Quelle hat. Dieses Quellchen hat sich letzte Woche an die Oberfläche durchgekämpft und versucht nun, sich ein Weglein durch die Nadeln zu graben. Und der Bukluk, der es entdeckt hat, steht gerade bei ihm auf Wache. „Wie geht's?“
„Ach, das Quellchen ist immer noch viel zu schwach, und ich muss ihm den Weg durch die Nadeln freikratzen, sonst würde es sich wieder in die Erde verkriechen, und ich hätte Ärger. Dann würden alle sagen, ich sei der, der eine Quelle verloren hat. Ha ha ha, der verlorene Bukluk,“ sagt Frantík und kratzt mit seinen kleinen Fingern ein Weglein für das neugeborene Quellchen durch die Nadeln.
„Und hast du ihm schon einen Namen gegeben? Der Quelle.“
„Noch nicht, Niko, aber danach, wie wenig es schon aus seiner unterirdischen Sicherheit nach oben will, werde ich es entweder Schnecki oder Ängsti nennen,“ gleich darauf Frantík. Und so starren beide Bukluks auf das neue Quellchen, wie es sich blubbernd den Weg in die Welt bahnt, und langweilen sich. Und von Zeit zu Zeit wacht das Quellchen auf und spritzt ihnen eine Ladung klares Wasser entgegen und fließt wieder ein wenig mehr.
„He, Frantík, hast du schon einmal von der Quelle des Vergessens gehört?“
„Na klar, wer hätte nicht. Janina hat mich gerade letzten Sonntag damit erschreckt, als ich ihr im Baum die ganze Himbeermarmelade weggeputzt habe,“ kicherte Frantík. Er erzählte Niko, wie Janina ihn dann um die Wurzeln ihrer jungen Buche gejagt hat, bis sie ihn zum Felsen unter dem Hang trieb und ihn dort mit Schlehenmus bestrichen hat. „Eine sanfte Malenka soll sie sein, also sag ich dir, Niko, die hat Power. Wenn es um ihre Himbeermarmelade geht, kennt sie sich nicht mehr. Aber sie ist so süß, ich meine damit die Marmelade,“ wird Frantík rot.
Was meinen Sie, was dann geschah? Zwei Schelme von Bukluks schauten auf Frantíks Quellchen, das wieder ein bisschen stärker austrat. Dann urteilte Frantík eindeutig, dass es jetzt bestimmt viel besser fließen würde und dass er fertig sei. Er musste nicht mehr auf Wache stehen, um dem Quellchen mit seinem Zauber ein wenig zu helfen, falls es nötig wäre. Er taufte es um in Fürchtenichts, und beide schossen wie Eichhörnchen den Hang hin, von dem sie wussten, dass dort die Quelle des Vergessens fließt. Sie flogen wie um die Wette, die Buchenköpfe, und rissen dabei im Lauf ein Gras nach dem anderen um. Sie kürzten den Weg quer durch die Pilze, die ihnen im Weg standen. „Oooo Entschuldigung, mein Herr, oooo ich habe Sie nicht gesehen, gnädige Frau,“ riefen sie, als sie durchs Pilzwohnzimmer von Herrn Wurm rannten, der sich gerade in einem schönen fleischigen Pilz ein Bett gemacht hatte und nicht damit gerechnet hatte, dass ihm ein schmutziger Bukluk übers Bett läuft. Als sie mit einem Rutscher den Gipfel des Hügels Hledí erreichten, waren sie außer Atem wie eine Schnecke, die zwanzig Kniebeugen gemacht und dabei vergessen hat, dass sie keine Beine hat.
„He, Niko, ist das sie?“ zeigt Frantík auf eine kräftige, blubbernde Quelle, die laut vom Hügel Hledí ins Tal floss.
„Ja, das ist die Quelle des Vergessens. Warst du noch nie hier?“
„Nun, Janina hat mir immer gesagt, ich soll nicht herkommen, dass ich bestimmt hineinfalle und, bevor ich ans Ufer krabble, vergesse, warum ich überhaupt hineingefallen bin, du Malenka,“ sagt Frantík und taucht sich schon die Finger in die Quelle.
Und wie Niko sieht, dass Frantík sich die Finger in die Quelle taucht, steigt er bis zu den Knien hinein und fängt an zu plantschen. Dabei sagt er sich: „Ich heiße Niko, ich bin Niko, Niko, Niko.“ „He, Frantík, das Vergessen in der Quelle funktioniert wohl nicht. Ich erinnere mich immer noch, wie ich heiße. Das haben sich die anderen wohl ausgedacht, damit wir nicht herkommen und sie die ganze Quelle für sich haben.“ Und er trinkt aus der Quelle. Nun, die ist süß, husch, schon ist er ganz im Wasser und kreischt in die Wälder. Kleidung hin oder her, Mütze hin oder her.
„He, Frantík, komm, wir machen uns hier einen eigenen Weiher und gehen darin baden und sagen es den anderen nicht, was meinst du? Das wird unser gemeinsames Geheimnis.“
Nun, was würden Sie erwarten. Gesagt, getan, und die zwei Bukluks nahmen jeder einen herabgefallenen Fichtenzweig und fingen an, einen Weiher auszuheben. Weil sie geschickte Jungen waren und Arbeit nicht scheuten, hatten sie ihn bis zum Abend schön ausgehoben. Sie gaben sich Mühe, machten ihn schön regelmäßig. Sie sagten sich, wenn sie schon so schuften, soll es sich auch lohnen. Sie bauten sogar Stufen hinein und ein Sprungbrettchen, damit sie darin so richtig toben konnten. Dann leiteten sie die Quelle des Vergessens einen Moment von ihrer ausgehobenen Bahn ab und füllten ihren Weiher bis zum Rand. Sie klatschten ein. Husch und Sprung, und schon schwammen und tollten sie in ihrem Weiher.
Als sie dann müde und nass am Rand des Weihers saßen, den sie Platschi zu nennen begannen, weil man darin so viel platscht und platscht, schauten sie sich an, und der eine sagt: „Hallo, wem gehörst du eigentlich? He, und weißt du, wie ich heiße?“
„Nun, das weiß ich nicht, ich bin… nun, eigentlich weiß ich auch nicht, wie ich heiße…“
„Und was machen wir hier eigentlich?“
„Nun, wir bewachen wohl diesen Weiher.“
„Hmm, wohl ja, das ist doch klar.“
Sie ahnen schon, was geschehen ist. Die zwei verdammten Bukluks haben zu lange in dem Wasser der Quelle des Vergessens geplantscht und zu viel von ihrem Wasser geschluckt. Wenn Ihnen genau das passiert, vergessen Sie, wer Sie sind und warum Sie gerade dort sind, wo Sie gerade sind. Oje.
Nun, und als die zwei Bukluks lange nicht auf die Lichtung zurückkamen, gingen Janina und die alte Dubička sie suchen. Sie fanden sie gegen Morgen, nach der ganzen Nachtsuche, an der Quelle des Vergessens, wie sie in einem neuen Weiher albern und überhaupt nicht wissen, wer sie sind.
„Dubička, das sind aber Kröten, schau sie dir an, ich würde sie zur Strafe für immer hierlassen. Die albern hier im Vergessen herum, und Frantíks Quellchen kann inzwischen vertrocknen. Denen würde ich es zeigen,“ schimpft die erschöpfte Janina, der nach der ganzen Nachtsuche der Kragen platzte und deren Augen geschwollen waren vom ständigen Schauen in die Umgebung durch ihre Glühwürmchenlaterne.
„Lass sie nur, manchmal ist es gut, zu vergessen. Den Kopf klar zu haben und einfach in Ruhe zu leben,“ sagt dazu mit ruhiger Stimme die weise Dubička.
„Abends wecken wir sie wieder. Es ist doch ein Spaß, ihnen so zuzuschauen,“ sagte Dubička. Sie setzte sich neben Janina ins Gras und beobachtete mit ruhigem, faltenreichem, weisem Gesicht und einem Lächeln die zwei Bukluks. Und sie erinnerte sich an die Zeit, als sie so mit ihrem Brüderchen gespielt hatte, das sie einst für immer verlor. Aber das ist wieder eine andere Geschichte…
Auch Sie können Ihre Quelle des Vergessens haben
Na also? Würden Sie nicht auch manchmal gern in einer solchen magischen Waldquelle des Vergessens schwimmen oder wenigstens daraus trinken? Wenigstens für einen Moment die Welt ringsum vergessen, die Sorgen, den Wahnsinn um Sie herum? Dann los. Finden auch Sie so einen Weiher. Steigen Sie bei sich in der Nähe in einen Fluss oder Bach und zaubern Sie sich seine magische Kraft herbei. Plantschen Sie mit den Füßen am Ufer eines Teichs oder Stausees. Sie fangen an zu zaubern. Schließen Sie die Augen und vergessen Sie. Sie spüren die Ruhe und genießen sie einfach. Lassen Sie das Zauberwasser alles Dunkle abwaschen. Atmen Sie frei und lange und lächeln Sie. Grinsen Sie von einem Ohr zum anderen. Vielleicht fällt Ihnen dabei auch eine Träne. Lassen Sie sie über die Wange laufen, durch die Furchen Ihres Gesichts wandern. Lassen Sie sie ins Wasser tropfen, das um Sie herum fließt. Diese Träne schwimmt weiter, berührt dort den nächsten, der sie braucht, und hilft ihm.