Die Geschichte vom fröhlichen Heidelbeerwichtel

Ich liebe Heidelbeeren. Ihren süßen Geschmack, der auf der Zunge zergeht, wenn ich die knackige Beere im Mund zerdrücke. Sie auch, nicht wahr? Wer hätte sie nicht gern. Ich glaube, als die Natur diese kleinen blauen Waldfrüchte erschuf, war sie ein wenig weichherzig. Sie erwachte in einen schönen, sonnigen Morgen hinein und sagte sich: „Hmm … heute ist mir so wunderbar zumute, dass ich der Welt etwas Besonderes schenke, etwas Süßes.“ Und so erschuf sie die Heidelbeeren. Einfach husch – und da waren sie.

i Tým autorů Calmory
Gesunder Schlaf
8 Min. Lesezeit 24.02.2025

Aber dann gähnte sie nach dem Mittagsschlaf und sagte sich: „Hmm … habe ich es nicht ein bisschen übertrieben?“ Und wie es nun einmal auf der Welt eingerichtet ist, trieb sie ein wenig Schabernack und malte den Heidelbeerwichtel in die Welt. Wie Yin und Yang, wie Weiß und Schwarz. Einfach so erschuf sie den Hüter der Heidelbeeren, den Heidelbeerwichtel.

Nun, ich will nicht mit einer Heidelbeere den Teufel an die Wand malen – aber jeder von uns ist ihm schon begegnet. Jeder von uns hat seine Streiche und Schabernack schon erlebt. Dass nicht, denken Sie? Aber doch. Die Heidelbeere ist von Natur aus eine schöne kleine blaue Kugel, und wenn Sie sie pflücken, macht es plopp, und die Kugel fliegt schon in den Becher. Eine nach der anderen. Oder Sie können sie auf einen Grashalm fädeln und sich dann eine nach der anderen zwischen die Zähne schieben, wie einen Heidelbeerwasserfall. Niemals platzt sie von allein, das erst in Ihrem Mund, damit die echte Heidelbeer-Ekstase entsteht. Und Ihr Mund war dann schön blau. Ja, der Mund. Sonst nichts. Dafür ist der Mund schließlich da, für die echte Heidelbeerleckerrei.

Aber Vorsicht. Sammeln Sie Heidelbeeren leise, damit nicht einmal ein Zweiglein des Heidelbeerstrauchs knackt, geschweige denn bricht, behüte Natur. Oje. Sie ahnen es schon, nicht wahr? Dann gibt es Ärger. Der Heidelbeerwichtel wacht auf, der auf der ganzen Welt, im ganzen Wald, nur eine einzige Aufgabe hat: die Heidelbeerplantagen vor den nimmersatten Menschlein zu schützen. Und wenn sie dann auch noch über seinem Mooshäuschen herumschreien, hält er sich nicht mehr und fängt an, Unfug zu treiben. Dass nicht?

„Iss mir hier nicht, du Gesindel, meine Heidelbeeren, lass sie in Ruhe“

Wenn Sie die Wichtelsprache verstünden und sie zwischen dem Schluchzen des Frühlingswinds und dem Knarren der Fichten heraushörten, würden Sie vermutlich hören: „Geh weg, geh weg, du Gesindel. Steck da nicht deine Krallen rein. Ich male dir die Finger so an, dass du den Wald nicht mehr findest…“ Lauter Schimpfen und Brüllen. Da würden Sie erschrecken. Und plötzlich würden Sie merken, dass Ihnen die Heidelbeeren in den Fingern zerfallen, jede zweite auf den Boden fällt, Sie sich in die Heidelbeeren setzen und auf einmal überall blau sind. Auf dem weißen T-Shirt, am Hintern, an den Schuhen und überall im Haar. Die ganzen Hände blau von Heidelbeeren, obwohl sie eben noch sauber waren. Das ist kein Zufall: Um Sie herum hüpft der Heidelbeerwichtel, schimpft und treibt Unfug. Er kickt Ihnen die gepflückten Heidelbeeren aus den Händen, schmiert Sie dann mit Heidelbeermarmelade ein und malt magische Runen auf Sie, damit Sie weglaufen und nie wiederkommen.

Warum tut der Verrückte das? Weil er seine Heidelbeeren schützt. Er denkt, sie gehören nur ihm, und das lässt er alle Menschlein gehörig spüren. Und benimmt er sich Tieren gegenüber genauso? Gegenüber Hirschkühen, Eichhörnchen oder Igeln? Nervt er die auch so? Nein, die nicht…

Und warum sind die Tiere nicht von der Hufe bis zum Geweih mit Heidelbeeren bemalt?

Weil alle Tierchen unserem lieben Wichtel Geschenke bringen. Sie wissen von ihm, wie gern er seine Heidelbeeren hat und wie wenig der eine Wichtel sie teilen will. Stellen Sie sich vor, er hat sie alle gezählt. Er weiß, welche wann geboren wurde. Jede Nacht bei Mond und Sternchen reibt er sie mit Zauberstaub ein, damit sie glitzern und in den ganzen Wald hineinleuchten. Und da können Sie sich wohl vorstellen, wie wütend er ist, wenn Sie sie ihm einfach so auffuttern. Aber die Tierchen kennen das. Sie wissen, wie er sich um seine Heidelbeeren kümmert, und wenn sie ein paar naschen wollen, tauschen sie sie gegen eine andere Köstlichkeit oder etwas für den Haushalt. 

Hirschkühe bringen ein wenig Heu ins Nest, Igel bringen im Tausch ein Äpfelchen, Eichhörnchen Haselnüsse (die mag der Heidelbeerwichtel ganz besonders), Ameisen helfen beim Aufräumen im Haushalt, und die Bienchen bringen immer ein Tässchen Honig. Und die Menschlein? Die pflücken und essen nur. Dabei können sie gar nichts dafür. Sie ahnen nicht, dass der Wichtel so wütend auf sie ist.

Und warum sagt der Wichtel nichts?

Ha ha, er sagt es doch und brüllt. Aber die Menschlein hören ihn nicht. Ich kenne persönlich einen Heidelbeerwichtel. Vielleicht denken Sie, sein Name sei so etwas wie Heidelbert, Boroslav oder Heidelchen. Lassen Sie sich nicht täuschen. Er heißt einfach Marek. Heidelbeerwichtel Marek. Und woher ich das weiß? Nun, wir unterhalten uns einfach. Einmal saß ich so in der Heidelbeerplantage bei Kytlice und schaue auf meine befleckten Shorts, blau bis zum Gehtnichtmehr. Ich sage mir: „Du meine Güte, Stando, du kannst dich auch in die Heidelbeeren setzen, das muss man dir lassen.“ Und ich starre auf eine klarblaue Rune an der Tasche, am Hosenbein, am Handgelenk, an der Handfläche. „Sag mal, Stando,“ sage ich mir, „wie machst du das nur?“ Und husch, fange ich eine Heidelbeere zwischen den Augen. Nun, das darf doch nicht wahr sein. Und plopp, eine zweite Heidelbeere ins Ohr.


Da denke ich mir, das muss schon irgendein Waldwichtel machen. Also holte ich ein Kaugummi aus dem Rucksack, der natürlich auch blau war wie ein Vergissmeinnicht, das nach dem Mittag dunkler wird, und legte das Kaugummi auf einen Stein am Heidelbeerstrauch. Plötzlich wogte das Kaugummi und war futsch. Einfach weg, Leute. Am helllichten Tag. Uff. „Hast du noch eins? Es ist richtig gut.“ Und bum und krach, als wäre eine Blase geplatzt. Nun, denke ich, gestern habe ich wohl ein bisschen über die Stränge geschlagen, aber ich legte noch ein Kaugummi auf den Stein, und plopp. Wieder futsch. „Es ist süßlich, vielen Dank, und Entschuldigung für die blaue Marmelade. Ich dachte, du wärst wieder so ein unhöfliches Menschlein, wieder so ein Vielfraß,“ tönte es aus dem Wald. „Ach ja, und ich heiße Marek.


Weißt du, ich kann mich dir nicht zeigen, aber ich bin so groß wie zehn Heidelbeeren in der Höhe und zehn in der Breite. Ich mag Meisen-Disco und habe eine Frisur nach den neuesten Waldtrends. Einfach kämme ich mir meinen blauen Schopf in den Scheitel. Ich rede viel und denke mir auch ein bisschen was aus. Ich schwindele einfach ein wenig. Aber das tun wir Heidelbeerwichtel alle,“ sagt Marek. „Ach ja, und jetzt kommt niemand her. Wegen des Borkenkäfers dürfen die Menschlein nicht in den Wald, und so ist hier gar kein Spaß.“


Und so versprach ich ihm, dass ich regelmäßig zu ihm kommen und dass wir uns unterhalten würden. Und so unterhalten wir uns. Er erzählt mir von anderen Heidelbeerwichteln, dass er sie aber schon lange nicht gesehen hat, und ob ich seiner lieben Heidelbeer-Malenka Olinka nicht ein Körbchen riesiger Heidelbeeren mit Morgentau statt Sahne bringen könnte. Er hat sie angeblich sehr gern, aber sie weiß wohl noch nichts von ihm, und er ist so ein Schüchterner. Olinka wohnt angeblich in der alten Wurzel gegenüber seinem Hügel. „Na gut,“ verspreche ich. Und auf dem Heimweg lasse ich sein grünes Körbchen mit der Köstlichkeit und einer Nachricht gegenüber auf dem Hügel. Was würde ich schließlich nicht für diesen neuen Freund tun.


Und wissen Sie, dass Heidelbeerwichtel Bücher schreiben?

Ja, sie gehören zu den wenigen, die eine walblaue Heidelbeertinte haben. So können sie auch Waldbücher schreiben. Sie nehmen sich Blätter vom Ahorn oder von der Buche und schreiben. Dafür haben sie das Zeug. Literarisches Gedärm. Marek erzählte neulich, dass er vielleicht eine ganze Edition schreiben wird mit dem Titel „Berühmte Häuschen der Heidelbeerwichtel, oder: Fabeln und Nicht-Fabeln.“ Dann wird er mir daraus vorlesen. Deshalb freue ich mich schon sehr, bis wir uns nach dem Winter wiedersehen.


Aber auch Sie können so einen wunderbaren Freund haben. Es reicht, wenn Sie auf dem Weg in den Wald, wenn Sie Pilze oder Heidelbeeren suchen, auch eine Süßigkeit für den Heidelbeerwichtel mitnehmen. Ein Stück Schokolade, ein nicht ganz gelutschtes Bonbon oder ein Stück Obst. Legen Sie es in den Heidelbeerstrauch und flüstern Sie: „Heidelbeerwichtel, hier hast du ein Geschenk von mir, schling es hinunter und bemal mich nicht.“ Und plötzlich sind Sie wie durch ein Wunder nicht überall an der Kleidung blau, weil der Wichtel Sie nicht mehr neckt und ärgert. Und wenn Sie ihm ein Kaugummi mit Melonengeschmack bringen (das ist ein Volltreffer), fängt er vielleicht sogar an, mit Ihnen zu reden, und Sie werden Freunde. Probieren Sie es aus, und Sie werden sehen.

Klid se dá naučit.

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