Kinder kennen die magische Welt der Druiden
Als Kleiner bin ich ständig draußen hinter dem Ferienhaus im Wald herumgerannt. Ein hölzerner Stock oder ein Ast hat mir gereicht. Ich bin wie von Sinnen gerannt und habe auf jeden Strauch eingeschlagen, der mir in den Sinn kam. So kämpfte ich gegen unsichtbare Feinde und tanzte siegreich, wenn ich sie alle besiegt hatte. Mein Holzschwert war kein gewöhnliches, es war natürlich magisch. Es konnte brennen, Eiszauber wirken und meine Mitstreiter herbeizaubern, die mit mir viele geheime Waldschlachten und Missionen ausgefochten haben.
Auf hartem, angekohltem Papier hatte ich eine Karte des ganzen Waldes gezeichnet, vom Wehr bis zum Maisfeld, von Westen nach Osten. Und vom Ferienhaus bis zum verbotenen Steinbruch, wo ein gefährlicher 50-Meter-Abhang war, von Süden nach Norden. Die Karte hatte ich in einem geheimen Versteck unter einem Felsen mitten in diesem magischen Wald vergraben. Diesen Ort kannte nur ich. Neben der Karte waren dort für immer weitere Schätze eines jungen Kriegers und Zauberers verstaut. Zum Beispiel Kerzenreste, in Plastikfolie eingewickelte Streichhölzer, bunte Glasscherben, polierte Achate, Glasfläschchen und für mich ungeheuer wertvolle Münzen. Das war mein magischer Wald, und wie er sich um mich kümmerte, so kümmerte ich mich um ihn und schützte ihn vor Feinden.
Im Wald hatte ich als richtiger Waldjunge meine Burg gebaut, eine Hütte aus Fichten- und Birkenzweigen. Einfach eine Jungenwelt.
Männer, gestehen Sie es. Hatten Sie auch ähnliche Erlebnisse? Ich hoffe, Sie werden jetzt nicht die Emotionen hinter dem Erwachsenen verstecken und sich sagen: „Meine Güte, der spinnt. So durch den Wald rennen.“ Ich glaube, dass nicht 🙂 Denn solche magischen Erlebnisse im Wald hat, glaube ich, die Mehrheit von uns erlebt. „Und wann bitte?“ können Sie einwenden. Wann?
Als wir Kinder waren
Als wir Kinder waren, war unser Bewusstsein auf dem Niveau weiser Schamanen und Druiden. Warum ausgerechnet Druiden? Denken Sie an Ihren kleinen Sohn oder Ihr kleines Mädchen, die noch so klein und auf ihre Weise auch furchtlos waren. Wenn sie sich in neue Erkundungsaktionen stürzten, herausfanden, was hinter jener Ecke ist, oder auf den heißen Ofen fassten, um sich gleich darauf zu vergewissern, dass er wirklich brennt. „Ich hab’s dir doch gesagt, Schatz“ hören Sie immer noch im Kopf. Oder wenn die Jungs sich furchtlos in den Bach stürzten, in Stiefeln hüfthoch durchs Wasser wateten und dabei Schmetterlingen nachspürten. „Wer soll das denn immer waschen", oder „Wann wirst du endlich vernünftig“.
Ähnlich fühlten sich die Schamanen der Stämme, die auf den Weiden Zentralasiens lebten und die Vorhut der großen Völkerwanderung nach Europa waren. Diese Schamanen packten zusammen, brachen durch undurchdringliche Urwälder auf und begaben sich auf einen langen, gefährlichen Weg ins Unbekannte. Manche wurden in der Einsamkeit vielleicht wahnsinnig, manche kamen durch Verletzungen oder Hunger um. Eine Reihe dieser Erkunderschamanen überlebte jedoch und fühlte sich in jene uralte magische Welt des Baumurwalds ein. Der Wald veränderte sie, und im Laufe der Jahre, vielleicht Jahrzehnte, sprach er zu ihnen. Er übergab ihnen einige seiner Geheimnisse, Magie, Heilmittel und Bewusstsein. Aus ihnen wurden Druiden.
Als sie dann die nach Westen wandernden Stämme fanden, wurden aus den Druiden Stammeslehrer, und sie übertrugen auf ihre Stämme all die Weisheit, die ihnen Wald und Bäume, die Natur, übergeben hatten. Aus ihnen wurden Druvid, jene, die weit sehen und besonders viel wissen. Aus ihnen wurden die „Priester“ der Kelten.
Erinnern Sie sich, wann Sie zuletzt gesehen und gewusst haben?
Versuchen Sie in Ihrer Erinnerung zu graben, ob sich irgendein Erlebnis aus Ihrer Kindheit eingeprägt hat, als der Wald ähnlich zu Ihnen gesprochen hat. Als Sie gesehen und gewusst haben. Ich habe so eines ganz bestimmt. Ein Augenblick, ein Moment, eine Jungenmission, an dem ich an diesem Tag eindeutig zum Druiden mit magischer Kraft wurde.
Ich möchte immer noch so mutig sein wie als kleiner Junge
Vor Kurzem habe ich ein großartiges, weises Buch von Michael Vescoli entdeckt: „Der keltische Baumkalender“. Das Buch hat den Untertitel – über Menschen, Zeit und Bäume. Ich empfehle es allen wärmstens. Und wie es so oft ist, kam es unauffällig zu mir, genau in dem Moment, in dem es kommen sollte. Ich suchte gerade im Internet Quellen für die Beschreibung einzelner Bäume nach dem keltischen Baumkalender – und siehe da, es war bei mir. Es war nur auf einem Internet-Büchermarkt verfügbar, immerhin ist es schon ein älteres Stück. So ein kleiner Schatz, für mich auf jeden Fall.
Ich werde aus dem Buch direkt Vescoli zitieren, weil ich bessere Worte wohl nicht finde: „Wüssten wir mehr über das Bewusstsein unserer Kinder, würden wir besser verstehen, wie es in der magischen Welt der Druiden aussah. Jedenfalls ist es ihnen gelungen, sich bis ins hohe Alter die schöpferische Lernfähigkeit zu bewahren, die ein Kind hat und die viel wirksamer ist als die Fähigkeiten eines Erwachsenen. Ebenso bewahrten sie sich die Fähigkeit der Vorahnung, des Hellsehens und die spontane Bereitschaft, sich jeder Form von Angst mutig zu stellen.“
Ich lese diesen Absatz immer wieder und spüre die enorme Kraft dieser Worte. Ich will wieder der Junge sein, der mit dem Baum hinter dem Ferienhaus in der Klugheit der Druiden zu reden wusste. Ich will in meinen Träumen erleben, dass ich fliege und dass ich einen Eichenstab in der Hand halte und zaubere. Vielleicht ein bisschen beneide ich meinen Sohn Luky, dass er auf der Terrasse einen ganzen Korb voll Stöcke hat, die für ihn so viel bedeuten. Jeden hat er woanders gefunden. Jeder hat andere Fähigkeiten und Eigenschaften. Es ist fast eine heilige Sammlung, und wenn wir sie von Zeit zu Zeit mit meiner Frau durchgehen, erkennt er sofort, welche Waffe oder welcher magische Gegenstand verschwunden ist. Und ich bin schon so weit, dass, wenn ich bei meinen Waldstreifzügen einen interessanten Stock finde, ich ihm ihn bringen und sagen muss, wo ich ihn gefunden habe. Sofort weiß er dann, wozu er gut ist. „Danke Papa, dieser Stab hat mir gefehlt. Endlich kann ich unsichtbare Mauern bauen.“ Klar, ich weiß doch 🙂
Unsere Kinder Míša und Luky haben unseren großen Respekt. Wir lassen ihrer Fantasie und Natürlichkeit möglichst viel Raum. Wir lassen sie entdecken. So darf ich das wohl sagen. Ich weiß, dass auch ich gelegentlich zurück in die Gleise des Erwachsenen und Systemmenschen rutsche, der alles durchgeplant haben will. Aber ich glaube, dass meistens der Mensch überwiegt, der nicht mit seiner Arroganz alles Magische in seinen Kindern zerstören will. Es reicht, dass das heute in den meisten Fällen das Bildungssystem und die Schule tun. Die Schule ermöglicht heute leider kein schöpferisches Lernen, weil sie es einfach nicht kann. Und so bleibt uns armen Eltern nur eine Möglichkeit: unseren Kindern ein familiäres Umfeld zu schaffen, in dem sie sich wohlfühlen. Ein Umfeld, in dem sie sich nicht schämen und in dem sie weiter forschen und die Welt auf magische Weise entdecken können, wie es die Druiden konnten. Lassen Sie Ihre Kinder in Ihrem Stamm geheimnisvolle Zeichen zaubern, die Ihr Zuhause schützen. Lassen Sie sie Magie verwenden und unterstützen Sie sie darin. Es wird sich Ihnen vielfach zurückzahlen.
Und wenn Sie Lust bekommen sollten, zaubern zu können wie Ihre Kinder, haben Sie keine Angst. Bitten Sie sie darum. Sie werden es Ihnen mit Liebe beibringen.