Wenn du einen Baum fällst, sprichst du mit ihm?

Diese Überschrift kann allgemein irreführend sein. Wer von uns hat schon einmal einen Baum gefällt, würde ich sagen, oder? Wenn ich Förster und Holzfäller beiseitelasse, dann wollen diejenigen von uns, die auf dem Grundstück am Häuschen oder am Ferienhaus irgendeinen Baum haben, ihn lieber stehen lassen, damit er vor den Blicken der Vorübergehenden schützt. Aber von Zeit zu Zeit muss ein Baum gefällt werden. Er trägt keine Früchte mehr, ist vom Sturm zerbrochen, oder er beginnt, die Bewohner der Hütte oder des Anwesens zu gefährden. Und manchmal brauchen wir einfach das Holz des Baumes zum Heizen, damit wir kochen können und uns warm ist.

i Tým autorů Calmory
Die Natur heilt
5 Min. Lesezeit 24.02.2025

Bei uns am Ferienhaus stehen mehrere hohe Bäume, Fichten. Es sind unsere Freunde, die unseren Garten schützen. Aber sie sind auch schon hoch genug, um bei Unwetter von Zeit zu Zeit unsere Nerven zu strapazieren. Zuletzt war das vor einer Woche, als starke Winde durch Europa fegten und uns die ganze Nacht die Landschaft über dem Kopf dröhnte. Zum Glück haben unsere Bäume standgehalten.

Warum ich aber vom Fällen von Bäumen spreche. Ich meine damit nicht die massenhafte Holzernte der Borkenkäfer- und „Nicht-Borkenkäfer“-Kalamitäten, sondern das Fällen eines Baumes für den eigenen Bedarf oder den Bedarf von Bekannten und Bedürftigen. Mich hat nämlich ein Absatz in meinem Lieblingsbuch von Margot Ruis „Naturwesen“ fasziniert. Dieses Buch gehört sicher nicht zu den Weltbestsellern, und für die meisten Menschen ist es so eine Randerscheinung. Aber wenn Sie die Natur ein bisschen intensiver wahrnehmen und sich im Wald auch mal aufhalten, könnte dieses kleine Buch Ihnen liegen. Zum Beispiel auch zum Vorlesen von Waldgeschichten mit den eigenen Kindern und vielleicht auch für so ein eigenes Waldfantasieren. 

Margot schreibt: „Auch bei unseren Bauern soll es früher üblich gewesen sein, dass sie die Bäume, bevor sie sie fällten, beim Namen nannten und mit ihnen sprachen. Ungefähr so: So, Pepo, jetzt bist du an der Reihe! Wir brauchen Holz für einen neuen Zaun. Auch wenn der Bauer nichts von Baumelfen wusste, schätzte er den Baum als lebendiges Wesen und hatte eine persönliche Beziehung zu ihm.“

Vielleicht denken Sie jetzt: Was für Baumelfen? Aber das ist wohl eine andere Geschichte. 

Mir persönlich gefällt der Gedanke, dass wir, bevor wir einen Baum fällen, ihn zuerst um Erlaubnis und Vergebung bitten. Es kommt mir vor, als würde ich, wenn ich so einen Baum umlegen würde, ohne vorher mit ihm darüber gesprochen zu haben, das mindestens als hinterhältig empfinden – aus seiner Sicht. Ich setze mich einfach an seine Wurzeln, umarme ihn und rede mit ihm wie Kumpel mit Kumpel. Ich lehne mich mit dem Rücken an seinen Stamm und komme ein Weilchen mit ihm ins Gespräch. Das Weilchen bringt mich ja nicht um. Manchem mag das ein bisschen weit hergeholt vorkommen, aber ich denke, es ist gut, sich mit dem Baum zu unterhalten. Ihn zu fragen, was er in seinem ganzen Leben gesehen hat. Und ihm im Gegenzug eine eigene Geschichte zu erzählen. 

Jedes Mal, wenn wir mit meiner Frau aufs Ferienhaus kommen, gehen wir durch den ganzen Garten. Ich berühre jeden Baum, begrüße ihn „Na, wie war’s? Hat es stark geweht?“. Benannte Bäume habe ich noch nicht und schicke mich vorerst auch nicht dazu an, aber ich spreche mit ihnen. Und so ein Wesen dann ohne seine Erlaubnis zu fällen, das geht doch nicht. 

Ein bisschen kommt es mir vor wie beim Angler, der einen Fisch herausholt und ihn mit nach Hause zum Essen nimmt. Früher hatte ich kein Problem, nach so einer einwöchigen Angelwoche mit Freunden am Orlík alle erlaubten gefangenen Fische auf einen Schlag zu töten. Heute stört mich das. Auch von den Fischen nimmt man sich vom Wasser nur noch ein Minimum. Bevor ich anfange zu angeln, bitte ich die Natur um schöne Fänge, und wenn ich einen Fisch behalte, danke ich dafür und lasse ihn langsam gehen. Dann versuche ich im Gegenzug dem Wasser und der Natur mit etwas zu helfen oder ihr etwas für den Fisch zu schenken. Einen Strauch pflanzen, Müll vom Wasser wegtragen oder einen Bach säubern. Ich denke, das ist richtig so.

Margot Ruis beschreibt in ihrem Buch „Naturwesen“ wunderschön die Beziehung des Menschen zur Natur, zu den Bäumen und ihren Waldwesen. Sie beschreibt, wie sie ständig irgendeinen Bergkristall in den Taschen trägt und ihn immer einem Baum schenkt. Sie vergräbt ihn in seinen Wurzeln, zur Freude seines Wächters und zur Freude des Baumes. Kristalle sollen Bäumen wunderbar beim Wachstum guttun. Da denke ich mir, das probiere ich auch. Und so glaube ich, dass ich zu unseren Bäumen eine noch ein Stück wärmere Beziehung aufbauen werde. Und auch durch diese durchsichtigen Steinchen werde ich weiter mit ihnen sprechen. 

Und wenn es irgendwann nötig sein sollte, einen Baum zu fällen, weiß ich heute schon, dass ich ihn zuerst um Erlaubnis bitten werde.

Klid se dá naučit.

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