Auch deine Lebensgeschichten können anderen helfen

Jeden Mann – ob jung oder als Ältester – formen seine Lebensgeschichten. Ob sie positiv sind oder eher schwer. Alles zählt. Das Leben wirft alles in einen Korb, in den Lebensmixer, vermengt es und formt aus diesem Brei weiter unseren Charakter. Und wie man sagt: Manche Geschichten sind unbezahlbar. Sie lassen sich nicht so leicht durchleben. Deshalb sollten wir sie nicht nur für uns behalten – und wenn es geht, durch sie unsere Lebenserfahrung weitergeben.

i Tým autorů Calmory
Erziehung und Familie
5 Min. Lesezeit 24.03.2025

Erzählen im Kreis am Feuer

Feuer und das Sitzen im Kreis darum ist der ideale Ort und die ideale Zeit zum Geschichtenerzählen. Schon die alten Indianer gaben so mündlich im Kreis Erfahrungen aus Schlachten, der Büffeljagd, die Weisheit der Jahreszeiten und die Geschichte des Stammes weiter. Die Jungen hörten in der zweiten Reihe zu, die Ältesten erzählten vorn. Wer das Wort hatte, sprach. Die anderen hörten zu. Jeder durfte sprechen, das Wort jedes Einzelnen zählte.

Das Sitzen am Feuer verlagerte sich dann eher in die Hütten und an den Ofen. Aber die Geschichten wurden weitergegeben. Die Schrift war noch nicht so verbreitet, die Männer konnten meist weder lesen noch schreiben. Aber die Geschichten sprachen für sich, ohne Buchstaben, die in Tontafeln geritzt oder auf Papier gedruckt waren. Die Alten erzählten, die Jungen hörten zu.

Heute ist das Erzählen von Geschichten eher die Ausnahme. Die Geschichten erzählt für uns die digitale Welt, heute zunehmend KI, künstliche Intelligenz. Wir fragen nicht mehr, wie es war, Opa, im Krieg, wie ihr, Papa, unser Häuschen gebaut habt und warum wir solche und solche Beziehungen zu den Nachbarn haben. Heute holen die Alten vielleicht immer mehr die Jungen bei der modernen Technik ein, und die Jungen fragen nicht, warum Opa Zeit mit Spaziergängen und Gesprächen mit Freunden verbringt. Warum Papa dieses und jenes Werkzeug braucht, um einen Holzstamm zu bearbeiten, wenn man doch fertiges Leimholz im Online-Shop des Baumarkts bekommen kann. Die Jungen stehen vorn, alles eilt. Geschichten werden nicht erzählt. Das braucht man nicht mehr.

„Aber braucht man es wirklich nicht mehr?“

Gute Männer hören die Geschichten der anderen

Mit unserer Gemeinschaft guter Männer und ihrer Söhne, den „Goodmany“, verbringen wir im Lauf des Jahres viel Zeit in der Natur und unterwegs. Jeden Abend versuchen wir, uns im Kreis ums Feuer zu setzen, und erzählen verschiedene Geschichten aus unserem Leben. Wie es war, als wir Väter klein waren, jung wie unsere Söhne. Welche Streiche wir ausgeheckt haben. Welche Lieben wir erlebt, welche Familien wir gegründet haben. Wie wir unsere Handwerke gelernt haben, wo wir unsere Fachkenntnisse gewonnen haben. Der eine von uns ist Mechaniker, ein anderer Buchhalter, ein anderer Geschäftsmann. Der eine arbeitet mit den Händen, der andere mit dem Kopf. Jeder von uns ist Fachmann für etwas anderes.

Im Kreis sprechen wir über Familienbeziehungen, wir hören zu. Wir kritisieren nicht, wir erzählen nur. Und die Jungen fragen. Sie hören zu. Sie sehen, wie es in anderen Familien läuft, ordnen ihre Gedanken und korrigieren ihre, meist kritischen, Ansichten. Wir Väter schenken ihnen mit dem Erzählen von Geschichten ein enormes Geschenk, das Geld nie ersetzen kann. Wir schenken ihnen echte Geschichten.

Bei unseren Aktionen mit den Goodmany halten wir uns an vier Grundregeln, von denen Arne Rubinstein spricht und die er verbreitet. Arne ist ein international anerkannter Experte für Übergangsrituale und die Entwicklung von Teenagern. Seit mehr als 20 Jahren leitet er Programme zu Übergangsritualen für Teenager und bietet erstklassige Leadership-Trainings in Australien und international an. Ich habe ihn persönlich auf einer Konferenz getroffen (gewidmet dem Mannsein und der Erziehung junger Menschen), und er ist ein sehr freundlicher und erfahrener Kerl :)

Philosophie und Lebensmethode nach Arne R.:

  1. Erzähl deine Lebensgeschichten (erzähle und inspiriere mit deiner Fachkenntnis und deiner Weisheit)
  2. Baue Gemeinschaft, sei den Mitgliedern der Gemeinschaft ein Vorbild (bring Menschen durch deine Fachkenntnis, Vorlieben und Lebensweise zurück ins Leben)
  3. Schaff Herausforderungen und lass die Menschen der Gemeinschaft sie erfüllen (stell deine Lebensherausforderungen vor, zeig allen, wie du sie bewältigt hast, schaff neue Herausforderungen, sei ein Vorbild)
  4. Inspiriere andere und hilf ihnen, ein ähnliches Talent zu finden und eine Lebensvision zu setzen (wenigstens einen Teil davon)

Diese 4 Punkte reichen zur Vorstellung, denke ich. Jeder kann sich bestimmt vorstellen, was dahintersteckt.

Finde deinen Weg auch durch das Erzählen von  Geschichten

Um das fünfzigste Lebensjahr kommt die sogenannte „Midlife-Crisis“. Die Kinder „verschwinden langsam aus dem Haus“, oft ist es so, dass uns die jetzige Arbeit nicht mehr so Freude macht. Um dieses Alter herum zerbrechen oft auch zuvor starke Beziehungen. Das liegt daran, dass Menschen in dieser Zeit ihren bisherigen Lebenssinn verlieren und einen neuen suchen. Und sie tappen im Dunkeln, wissen nicht weiter und „schlagen“ um sich.

Also, wie wäre es, sich in dieser Lebensphase von den  oben genannten 4 Regeln inspirieren zu lassen? Sie sind bestimmt in etwas gut und können Ihre Fachkenntnis und Weisheit an andere weitergeben. Nehmen Sie das auch als persönliche Herausforderung. Uns gelingt das mit den Goodmany. Was meinen Sie? Versuchen Sie es nicht auch?

Klid se dá naučit.

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